Latein am Gymnasium Papenburg

Das Fach Latein vermittelt mit der lateinischen Sprache Einsichten in die römische Welt der Antike und damit in das antike Weltbild. Gleichzeitig zeigt es, wie das heutige Europa historisch und sprachlich geprägt wurde.

Fachkollegium

  • Sabine Bauer
  • Ron Gerstmann
  • Freimut vom Hofe
  • Hilke Jansen
  • Thomas Janssen
  • Anne Müller
  • Anne Nee (Fachobfrau)
  • Heinz-Peter Schmidt
  • Patrizia Schmidt

Referendar(e):

  • David Bergemann
  • Mareike Wempen

Warum Latein?

Vom 7. Jh. v. Chr. bis ins 5. Jh. n. Chr. prägten die Römer den gesamten Mittelmeerraum und den europäischen Norden durch ihre Sprache. Darüber hinaus blieb Latein die Sprache der Gelehrten und Kirchen bis ins 20. Jh.

Die Römer beeinflussen bis heute unsere europäische Kultur. Religiöses Leben, Zivilrecht, Architektur, Straßen- und Brückenbau, Wasserversorgung, Literatur sind ohne die Leistungen der Römer nicht denkbar. Das wird im Lateinunterricht neben der Sprache vermittelt. Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Rumänisch, Französisch sind unmittelbar aus dem Lateinischen hervorgegangen. Aber auch in Englisch – Großbritannien gehörte zum Teil zum Römerreich – lassen sich 60 % des Wortschatzes aus dem Lateinischen ableiten. Das Erlernen der lateinischen Sprache erleichtert also das Lernen dieser modernen Fremdsprachen.

Latein zeigt mit seiner logisch aufgebauten Grammatik modellhaft, wie Sprache funktioniert. Damit bildet es eine sehr gute Basis für das Erlernen jeder anderen Sprache. Im Lateinunterricht werden lateinische Texte ins Deutsche übertragen. Die Unterrichtssprache ist Deutsch; Latein wird dabei in der Regel genauso ausgesprochen wie Deutsch.

Latein trainiert die Lese- und Ausdrucksfähigkeit der eigenen Muttersprache Deutsch. Das Übersetzen lateinischer Texte fordert die Schülerinnen und Schüler heraus, sich ständig zwischen den beiden Sprachen hin- und her zu bewegen und nach den geeigneten Wörtern und Ausdrücken in der Muttersprache zu suchen, um den lateinischen Autoren möglichst gerecht zu werden. Latein erleichtert das Verstehen von Fremdwörtern ohne langes Nachschlagen. Hier einige Beispiele:

  • sozial von socius (Kamerad)
  • Demonstration von demonstrare (zeigen)
  • Addition von addere (hinzufügen)
  • legal von lex (Gesetz)
  • bilateral von bis (zwei) und latus (Seite)

Latein schult Kompetenzen, die für die anderen Schulfächer und im späteren Berufsleben von Bedeutung sind, z. B. Disziplin, Beobachtungsgabe, Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer, Unterscheidungsvermögen, Kreativität.

Latein beschäftigt sich thematisch mit existentiellen Grundproblemen der Menschheit wie Liebe, Hass, Krieg und Frieden, Leben und Tod, Glück und Unglück, Freiheit und Unterdrückung, Gerechtigkeit. Auch Lebensfreude und Witz kommen nicht zu kurz.

In Latein begegnen die Schülerinnen und Schüler unmittelbar historischen Persönlichkeiten wie Gaius Iulius Caesar, Kaiser Augustus, Thomas Morus aber auch literarischen Größen wie Ovid, Vergil, Cicero oder Livius und vielen anderen mehr.

Latein schult die Schülerinnen und Schüler rhetorisch durch die Beschäftigung mit den Wirkweisen von rhetorischen Mitteln, wie sie auch in der heutigen Politik und der Werbung eine große Rolle spielen.

Lateinkenntnisse sind aufgrund der Fachsprache eine gute Voraussetzung für viele Studiengänge und müssen zum Teil auch nachgewiesen werden, so z. B. für viele Lehramtsstudiengänge, Theologie, Geschichte, alle romanischen Sprachen, Philosophie und Archäologie.

Die Schule bietet staatlich anerkannte Abschlüsse wie das Latinum und das Große Latinum.

Was soll im Lateinunterricht vermittelt werden?

Von Josef Simbeck

I. Das Aufschlüsseln der Texte: Sprachschulung

Latein ist eine Sprache, die nicht mehr gesprochen wird. Folglich liegt der Akzent des Lateinunterrichts nicht im Sprechen oder Schreiben der Fremdsprache, sondern im Übertragen der lateinischen Texte ins Deutsche.

Worin liegt der Sinn eines solchen Sprachunterrichts?

Im Lateinunterricht bekommen es die Schülerinnen und Schüler zu tun mit einer gewissermaßen polarisierten Reflexion: Das Eigene (die Muttersprache) und das Fremde (die antike Sprache) werden aneinander gespiegelt; das Nahe und das Ferne werden in ständiger Verknüpfung durchdacht und abgewogen.

Wie geht das vor sich?

  • Diese Reflexion erfolgt zum einen durch intensives rational analytisches Erfassen der „zeitfernen“ Fremdsprache und der eigenen Sprache. Die Systematik der Worte und Wortverbindungen beider Sprachen muss genau verstanden und ständig in vergleichender Gegenüberstellung reflektiert werden. Dies schult – und erfordert – Konzentration und den disziplinierten Blick auf jedes Detail.
  • Zum anderen erfolgt gleichzeitig ein ganzheitliches sprachintuitives Erfassen des Textsinns, und zwar in der lateinischen Sprache und in der Muttersprache.

Diese komplexe Verzahnung von rational-analytischer und ganzheitlich-intuitiver Sprachreflexion macht das Wesen der Sprachschulung im Lateinunterricht aus. Diese Schulung wirkt sich auf die Fähigkeit zu strukturiertem und sorgfältigem Denken aus, besonders aber auch auf die muttersprachliche Kompetenz; denn auch die Formen und Formungen der deutschen Sprache werden auf diese Weise zunehmend bewusst gemacht. Dass das Lateinische, die „Mutter“ vieler europäischer Sprachen, das spätere oder gleichzeitige Erlernen weiterer Fremdsprachen sehr erleichtert, ist noch dazu ein willkommener „Nebeneffekt“.

II. Das Deuten der Texte: Gedankenschulung

Schon die Texte der Übungsbücher, besonders aber die ab Klasse 10 gelesenen Originaltexte lateinischer Autoren, vermitteln eine Gedankenwelt, die wie in einem Rückspiegel die antiken Wurzeln unseres heutigen Denkens und Handelns beleuchten.

Dies bezieht sich u. a. auf die Sachbereiche Geschichte, Politik, Rechtslehre, Rhetorik, Philosophie und Poesie. Die lateinischen Texte werfen immer noch aktuelle Fragen auf und beantworten sie aus der Sicht der Antike; sie ergeben für heutige Schülerinnen und Schüler (und Lehrerinnen und Lehrer!) immer wieder Anlass zum geistigen Nachvollziehen, zum kritischen Hinterfragen, zum kontroversen Diskutieren, zur eigenen Meinungsbildung. Aus dem Füllhorn der lebendigen Fragen und Denkimpulse der antiken Texte seien hier einige exemplarisch aufgefüh

  • Was macht einen guten Staatslenker aus?
  • Welche Gründe könnten für einen „gerechten“ Krieg sprechen?
  • Wo liegt die Grenze zwischen dem Wohl des Einzelnen und dem der Allgemeinheit?
  • Was ist wahre Freundschaft?
  • Was ist es eigentlich, das ein „glückliches“ Leben ausmacht?
  • Welche Werte sind wichtig für das Individuum, welche für die Staatsgemeinschaft?
  • Wie kann ich andere von meinen Zielen überzeugen?
  • Wie kann ich Manipulation durchschauen?
  • Ist Tyrannenmord legitim?
  • Beschädigt Macht die Moral?

Das Fach Latein hat so am Gymnasium Papenburg eine stabile, erfolgreiche Tradition und spielt unter den Fremdsprachen eine wichtige Rolle.

Schüler übersetzten...

Socrates omnibus fere libris Platonis expressus est.
Sokrates wurde von den Kindern des Plato fast aus dem Omnibus gedrängt.
(eigtl.: Sokrates kommt in fast allen Büchern des Platon vor.)

Quod avi erat, matris meae factum est.
Weil es meinen Großvater gegeben hat, ist meine Mutter gemacht worden.
(eigtl.: Was der Besitz meines Großvaters war, ist zum Besitz meiner Mutter geworden.)

Patientia saepe utilis est.
Ein Patent ist oft nützlich.
(eigtl.: Geduld ist oft nützlich)

Non dubitare, quin:
Die Königin zweifelt nicht.
(eigtl.: nicht daran zweifeln, dass...)

Violae mensam ornant.
Pfeilchen schmücken den Tisch.
(eigtl: „Veilchen schmücken den Tisch“)

Dux rem in angustiis esse vidit.
Der Anführer sagte, man dürfe die Sache nicht so eng sehen.
(eigtl.: Der Anfüherer sah, dass die Lage eng (= brenzlig) war.)

Imperator frumentum praecidit.
Der Feldherr haute mit dem Getreide ab.
(praecidere = „abhauen“ im Sinne von „mähen“:
(eigtl.: Der Feldherr ließ das Getreide mähen.)

Liber sine auctore mihi propositus est.
Ein Kind ohne Eltern wurde mir vorgelegt.
(eigtl.: Ein Buch ohne Autorenangabe liegt mir vor.)

Cicero et Caesar duo consules clari erant.
(im Wörterverzeichnis steht:
Cicero: ein römischer Konsul
Caesar: ein römischer Konsul)
Ein römischer Konsul und ein römischer Konsul sind zwei römische Konsuln.
(eigtl.: Cicero und Caesar waren zwei berühmte Konsuln.)

Mos partium paulo ante Romae ortus est.
De Sitte des Gebärens war erst kurz vorher in Rom aufgekommen.
(eigtl.: Die Gewohnheit, politische Cliquen zu bilden, war erst kurz vorher in Rom entstanden.)

Troiani non armis, sed dolo superari debent.
Die Trojaner lieben nicht, aber sie werden den Schmerz überwinden müssen.
(eigtl.: Die Trojaner müssen nicht mit Waffen, sondern mit List überwunden werden.)


Stilblüten aus Vokabeltests:
negare = anschwärzen
(statt: verneinen)

captare = köpfen
(statt: fangen)

deliberare = abtreiben (vgl.: liberi=Kinder)
(statt: überlegen)

sumere = zusammenzählen
(statt: nehmen)

suis legibus esse = auf eigenen Beinen stehen
(statt: eine eigene Gesetzgebung haben)

frequens = Wellenlänge
(statt: häufig)

paulo post = ein Brief für Paul
(statt: kurz darauf)

Docendo discimus.
(Übersetzung: Durch Lehren lernen wir)
Ich lehre, wir lernen.
Ich bin der Lehrer, ihr die Schüler.
Lehre zu lernen.
Lasst uns lernen durch Lehren.
Lasst uns lernen zu lehren.
Wir lernen lehrend.
Wir lernen das Lehren.
Wir lernen durch Lernen.
Wir lernten durch das Lehren.
Wir lerner das Leren (sic!).

Nihil agendo homines male agere discunt.
(Übersetzung: Durch Nichtstun lernen die Menschen schlecht zu handeln.
Oder: Müßiggang ist aller Laster Anfang.)

Sie lernen, dass der Mensch nicht das böse Handeln tut.
Ich handle gar nicht, die Menschen lernen böse zu handeln.
Die Menschen lernen nichts durch Handeln, dass sie schlecht handeln.
Nichts tuende Menschen sind schlecht zu behandelnde.
Nicht das (sic!) tuende Mensch ist schlecht sie lernen zu handeln.
Ihr lernt nichts außer der Tat, den Menschen Schlechtes zu tun.
Tue dem Menschen nichts Schlechtes, lerne zu tun.
Ich tue nichts, die Menschen lernen schlechter zu tun.
Nicht handelnde Menschen lernen schlecht zu handeln.
Der Mensch lernt, dass Nichtstun ein böses Treiben ist.
Nichts treibend lernen die Menschen Böses zu treiben.
Die Menschen treiben Schlechtes, wenn sie nicht durch Handeln lernen.
Menschen lernen nichts durch schlechtes Handeln.
Sie lernen nicht durchs Handeln, dass der schlechte Mensch handelt.
Sie lernen nicht durchs Handeln, dass der Mensch schlecht handelt.
Niemand lernt durch Handeln, weil die Menschen schlecht handeln.
Sie lernten, dass kein Handeln des Menschen böse.
Sie lernen nichts durch das Handeln, dass Menschen schlecht verhandeln.

Iam enim mortis nostrae tempus adest.
Schon bald ist nämlich unser Tempel tot.
Denn auch der Tod hilft uns in dieser Zeit.
(statt: Schon ist nämlich die Zeit unseres Todes da.)

Ponite spem vestram in Deo, qui liberabit animas vestras!
Legt unsere Sache bei Gott, der unsere Geister geliebt hat!
(statt: Setzt eure Hoffnung in/auf Gott, der eure Seelen befreien wird!)

Nam nos scriptura sacra discimus …
Denn die Biebel sagt uns …
(statt: Denn wir lernen aus der Heiligen Schrift / Bibel …)

Postquam Bonifatius illa oratione discipulos ad martyrium incitavit, pagani in eos cum gladiis cucurrerunt et sanctos interfecerunt.
Nachdem Bonifatius bei Märtyrertod getötet wurde, hielt jener Schüler eine Rede über Heilige, welche in dieser Rede mit Schwertern zusammenlaufen und Heilige töten.
(statt: Nachdem Bonifatius mit jener Rede seine Schüler zum Märtyrertod angehalten hatte, liefen die Heiden auf diese mit den Schwertern los und töteten die Heiligen.)
Cum enim [Caesar] iam consedisset, ut litteras scriberet, unus ex coniuratis, Drusus Brutus, quem Caesar ut filium amabat, apparuit eumque monuit, ut celeriter in senatum veniret.
Wenn Caesar sich nämlich gesetzt hätte, um Briefe zu schreiben, erschien und zeigte einer der Verschwörer, Drusus Brutus, den Caesar als Kind gemacht hatte, um zu zeigen, wie man mit Schnelligkeit in den Senat kommt.
(statt: Als Caesar sich nämlich schon hingesetzt hatte, um Briefe zu schreiben, erschien einer von den Verschwörern, Drusus Brutus, den Caesar wie einen Sohn liebte, und forderte ihn auf, schnell in den Senat zu kommen.)
Caesar ab coniuratis in terram deiectus, cum mucronibus peteretur, caput toga occultans nihil dixit nisi: “Tu quoque, mi Brute?”
Caesar, von den Verschwörern auf die Erde geworfen, wurde mit Dolchen angestrebt, das verbergende Kopftuch sagte nichts außer: „Du auch, mein Brutus?“
(statt: Caesar, von den Verschwörern zu Boden geworfen, bedeckte, als er mit Dolchen angegriffen wurde, sein Haupt mit seiner Toga und sagte nichts außer: „Auch du, mein Brutus?“)

Zitate des Monats

Zusammengestellt von Eva Walther

August 2009
Tempus est etiam maiora conari. (Liv auc 6,18,13) 
Es ist Zeit, auch Größeres zu versuchen.
Mit diesem Ausspruch, der zu Tatkraft, Mut und Selbstvertrauen auffordert, wünscht die Fachgruppe Latein allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft einen guten Start in das neue Schuljahr.

Juni 2009
Mihi enim liber non videtur, qui non aliquando nihil agit.
Der scheint mir nämlich nicht frei zu sein, der nicht hier und da einmal gar nichts tut.
Diese weisen Worte aus Cic. de oratore 2,24 seien allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft auf den Weg in die bevorstehenden Ferien mitgegeben.
Zugleich verabschiedet sich die Fachgruppe Latein mit diesem höchst wertvollen antik-aktuellen Tipp von ihrem KollegenF. Müller-Abbass, der uns „Lateinern“, den anderen Kollegen und vor allem den Schülern viele Jahre hindurch seine unermüdliche Arbeitskraft, seine Kompetenz und seinen Humor geliehen hat.

Möge die zitierte zeitlose Weisheit des Herrn Marcus Tullius deinen beruflichen und privaten Weg begleiten und dir das Leben während und jenseits des Arbeitens in reichlichem Maße mit Stunden des Genießens zu zieren helfen! Te desiderabimus.

Mai 2009
Post tres dies vilescit piscis et hospes, ni sale conditus vel sit specialis amicus.
Nach drei Tagen werden Fisch sowie Gast oft unangenehm, wenn er nicht in Salz eingelegt beziehungsweise ein besonderer Freund ist.
Diese Weisheit eines nicht bekannten Autors ist gewiss leicht evident: Auch Erwünschtes und Angenehmes beginnt bei zu langer Dauer die Nerven und die Geduld der Menschen zu strapazieren... .
 
April 2009
Quidquid excessit modum, pendet instabili loco. 
Was auch immer das Maß überschreitet, hängt an einem unsicheren Ort in der Schwebe.
Seneca (Oedipus 909f) hat natürlich mit diesen Worten sicher Recht – man kann seine Worte auf die derzeit wankenden Volkswirtschaften sicher ebenso beziehen wie auf vielfältige weitere denkbare Lebenslagen.

März 2009
Qui tacet, consentire videtur.
Wer schweigt, scheint zuzustimmen.
Diese Lebensweisheit findet sich im liber sextus decretalium 5,12 des Bonifatius VIII. Es ist eine zeitlos gültige Aufforderung zur Zivilcourage bzw. zu einer klar geäußerten Stellungnahme – in welcher Lebenssituation auch immer.

Februar 2009
Vulpes non iterum capitur laqueo.
Der Fuchs lässt sich nicht ein zweites Mal mit der Schlinge fangen.
Horaz (serm. 2,7,70) bietet hier eine reizvolle Variante zur sprichwörtlichen „Schlauheit des Fuchses“ sowie auch zu der deutschen Redensart: „Aus Schaden wird man klug“.

Januar 2009
Amicitiae immortales, mortales inimicitiae esse debent.
Freundschaften müssen unsterblich, Feindschaften sterblich sein.
Livius (auc 40,46,12) mahnt einerseits Treue in der Freundschaft an – und andererseits in einer Feindschaft die Bereitschaft, zu vergeben und zu vergessen. Dies – und zwar besonders auch das Letztere – könnte gerade zum Beginn eines neuen Jahres ein bedenkenswerter Vorsatz sein.

Dezember 2008
Praesis, ut prosis.
Du sollst (nur dazu) an der Spitze stehen, um (anderen) zu nützen.
Mit dieser unübertrefflichen – für die lateinische Sprache so charakteristischen – Prägnanz formuliert der mittelalterliche Abt Bernhard von Clairvaux, dass Verantwortung in leitender Stellung in erster Linie mit Demut zu tun habe.

November 2008
Vilius argentum est auro, virtutibus aurum.

Silber ist weniger wert als Gold, weniger Wert als Tugenden ist das Gold.

Horaz ep. I, I 52 hätte diese mahnenden Worte möglicherweise spätestens angesichts der derzeitigen Finanzkrise geformt, hätte er sie nicht bereits vor etwa 2000 Jahren gesagt. Er setzt hier materielle Besitzwerte in die seiner Meinung nach einzig richtige Relation zu Ethik und Anstand.

Dezember 2008
Praesis, ut prosis.

Du sollst (nur dazu) an der Spitze stehen, um (anderen) zu nützen.

Mit dieser unübertrefflichen – für die lateinische Sprache so charakteristischen – Prägnanz formuliert der mittelalterliche Abt Bernhard von Clairvaux, dass Verantwortung in leitender Stellung in erster Linie mit Demut zu tun habe.

November 2008
Vilius argentum est auro, virtutibus aurum.

Silber ist weniger wert als Gold, weniger Wert als Tugenden ist das Gold.

Horaz ep. I, I 52 hätte diese mahnenden Worte möglicherweise spätestens angesichts der derzeitigen Finanzkrise geformt, hätte er sie nicht bereits vor etwa 2000 Jahren gesagt. Er setzt hier materielle Besitzwerte in die seiner Meinung nach einzig richtige Relation zu Ethik und Anstand.

Oktober 2008
Iucundiorem faciet libertatem servitutis recordatio.

Die Erinnerung an die Knechtschaft wird die Freiheit noch süßer machen.

Cic hat in Phil III 36 diese für ewig gültige Aussage über neu errungene Freiheit eines Volkes (oder einer Person) formuliert.

September 2008
Multa petentibus desunt multa.

Denen, die Vieles verlangen, fehlt Vieles.

Horaz carm. III 16,42 verweist hier auf die Kehrseite der Unersättlichkeit: Das Gefühl, nie genug haben oder bekommen zu können.

August 2008
Summum ius summa iniuria.

Das höchste Recht ist höchstes Unrecht.

Cicero (de officiis 1,1,33) weist darauf hin, dass auf die Spitze getriebenes Recht, also ein stumpfsinniges Beachten der Gesetze ohne Berücksichtigung der Einzelumstände, sich in sein krasses Gegenteil verkehren kann.

Juli 2008
Beatus ille, qui procul negotiis.

Glücklich ist jener, der fern ist von Pflichten.

Horaz meint mit diesen Worten seiner zweiten Epode nicht in erster Linie den freien dienstlichen Terminkalender, sondern vor allem das innere Frei-Sein von hektischem Getriebensein. In diesem Sinne wünscht die Fachgruppe Latein allen Lesern schöne Ferien – und ihrem scheidenden Kollegen Ulrich Mersch Justus eine glückliche Zukunft.

Juni 2008
Maxima vitae iactura dilatio est.

Die größte Verschwendung von Lebenszeit ist das Aufschieben.

Wer also sein Leben durch den Gedanken beherrschen lässt, was er einst in der Zukunft Schönes und Sinnvolles tun werde, verschwendet nach Seneca (brev. 9,1) sein Leben, weil er das Jetzt und Heute nicht hoch genug schätzt.

Mai 2008
Memoria minuitur, nisi eam exerceas.

Das Gedächtnis lässt nach, wenn man es nicht übt.

Was Cicero (De senectute 21) hier konstatiert, ist sicher richtig – auch wenn unsere Schüler es nicht unbedingt immer gern hören werden…Jede Art von (Auswendig)lernen ist zugleich auch immer ein wertvolles „Fitness“-Training für den Geist.

April 2008
Medio tutissimus ibis.

In der Mitte wirst du am sichersten gehen.

In Ovid, Met. 2,137 erteilt der Sonnengott seinem Sohn diesen Rat, bevor der Junge mit dem glühenden Sonnenwagen die Himmelsbahn durchfährt: Denn alles andere als der Mittelweg werde zu einer Katastrophe führen.
Diese knappe Empfehlung, stets den Mittelweg zu gehen, kann man im übertragenen Sinn auf fast jede heikle Lebenslage anwenden.

März 2008
Crescentem sequitur cura pecuniam.

Dem wachsenden Geld folgt die Sorge.

Horaz, carm. 3,16,17 verdeutlicht, was wohl noch heute gilt: Das Lebensglück eines Menschen ist nicht etwa proportional zu seinem Kontostand – in welchem Land auch immer dieses dicke Konto "geparkt" sein mag, möchte man aus aktuellem Anlass hinzufügen…

Februar 2008
Nam tua res agitur, paries cum proximus ardet.

Brennt des Nachbarn Wand, so bist du selber gefährdet.

Horaz, ep. I, 18, 84 verweist mit diesem Hexamter darauf, dass Gleichgültigkeit gegenüber den scheinbar „fremden“ oder „fernen“ Angelegenheiten, die einen nichts anzugehen scheinen, letztlich auf den Gleichgültigen selbst zurückwirken kann – und zwar sogar in bedrohlichem Maße.

Januar 2008
Fortuna contusum illudere turpe dicendum.

Einen, der durch das Schicksal niedergeworfen worden ist, zu verspotten, muss als schändlich bezeichnet werden.

Der unbekannte Autor dieses Hexameters mahnt uns zur Empathie mit solchen Mitmenschen, denen das Schicksal übel mitgespielt hat. Diese höchst aktuelle Anmahnung einer sozialen Denkweise sei den geneigten Lesern unserer szitate zu Jahresbeginn überreicht – zusammen mit den besten Wünschen, dass sie auch im Jahr 2008 nicht „fortuna contusi“ sein mögen.

Dezember 2007
Rem tene, verba sequentur. (C. Iulius Victor, Redekunst Kap. 1)
Halte (nur erst) die Sache im Griff, die Worte werden sich dann schon einstellen.

Der Autor des 4. Jh. Nach Chr. meint also, am wichtigsten sei es, sich in einem Thema gut auszukennen. Sei das der Fall, werde man auch sinnvoll darüber reden können. Es wäre wünschenswert, wenn heutzutage alle Menschen, die über wichtige Themen reden oder schreiben, diese Reihenfolge möglichst nicht zu oft umkehren würden.

November 2007
Et semel emissum volat irrevocabile verbum.

Und das einmal gesprochene Wort fliegt unwiderruflich (davon).

Horaz (Ep. 1,18,71) formuliert eine scheinbar banale, aber doch schwer wiegende Tatsache: Ein Wort ist, sobald es ausgesprochen ist, „in der Welt“. Also sollte man gut nachdenken, bevor man etwas äußert. Besonders gilt dies für die Kränkung eines anderen Menschen, die man vielleicht in ungezügelter Wut schnell ausspricht und später, zu spät, bereut.

Oktober 2007
Numquam est fidelis cum potente societas.

Niemals verlässlich ist das Bündnis mit einem Mächtigen.

Phaedrus (20 v. Chr.-50 n. Chr.) stellt diese Belehrung einer seiner berühmten Tierfabeln voran. Dass der Schwächere, wenn er mit einem Mächtigeren Vereinbarungen trifft, stets Gefahr läuft übervorteilt zu werden, liegt – auch heute noch – ohne weiteres auf der Hand.

September 2007
Non omnia possumus omnes.

Wir können nicht alle alles.

Bei Macrobius (395-423 n. Chr.) findet sich dieser Gedanke (sat. 6.1.35), zuvor aber auch schon bei Lucilius, Vergil und anderen.
Man kann den Gedanken auf vielfältige Weise verstehen, zum Beispiel so:Jeder einzelne Mensch habe seine spezielle Begabung, die sich von der anderer Menschen naturgemäß durchaus unterscheiden könne (und dürfe). Oder auch so: Es sei gerecht, einen Menschen nach seiner individuellen Begabung zu beurteilen, nicht aber alle Menschen nach einer allgemeinen „Messlatte“.

August 2007
Dum spiro, spero.

Solange ich atme, hoffe ich.

Diese Formulierung findet sich bei Cicero und Seneca. Die analoge deutsche Sentenz lautet bekanntlich: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“.

Juli 2007
Omnia mea mecum porto.

Alles, was (wirklich) mir gehört, trage ich (immer) bei mir. 

Cicero schreibt dieses Zitat dem griechischen Philosophen Bias von Priene zu. Der Philosoph konstatiert mit diesem Ausspruch, dass aller äußere Besitz des Menschen für seine Existenz und sein Lebensglück unwesentlich sei; das einzige, das wirklich zähle, und zwar vor allem zum wirklichen Glücklichsein, seien sein inneres Wesen und die Befindlichkeit seiner Seele.

In diesem Sinne wünscht die Fachgruppe Latein allen Lesern frohe Ferien – und ein „maßvolles“ Koffergewicht beim Verreisen… .

Juni 2007
Quoque magis tegitur, tectus magis aestuat ignis.

Je mehr es bedeckt wird, desto stärker glüht unter der Bedeckung das Feuer.

Diese Weisheit bezieht sich bei Ovid (Met. IV 64) auf die „verbotene Liebe“ zweier Jugendlicher; sie kann aber ohne Weiteres auch auf andere gewaltsam unterdrückte Gefühle übertragen werden. In Bezug auf eine verbotene, heimliche Liebe entspricht der ovidsche Gedanke dem Sinnspruch eines unbekannten deutschen Dichters: „Kein Feuer, keine Kohle kann brennen so heiß wie heimliche Liebe, von der niemand nicht weiß.“

April 2007
Cui bono?

„Wem bringt es Nutzen?“

Dieser juristische Grundsatz der römischen Antike gilt bis heute und wird oft lateinisch zitiert.
Bedeutung: Was auch immer von wem auch immer propagiert oder getan wird, es empfiehlt sich, den Hintergrund des Handelns bzw. der Empfehlung mit eben dieser Fragestellung misstrauisch zu beleuchten. So kann es gelingen, die wahren Motive jenseits der vorgeschobenen zu durchschauen.

März 2007
Cotidie morimur.

„Wir sterben täglich.“

Seneca (ep. 1) verweist mit dieser nur auf den ersten Blick paradoxen Aussage darauf, dass jeden Tag ein Quantum unserer Gesamtlebenszeit unwiderbringlich dahin geht. Daraus folgt die Mahnung, jeden einzelnen Tag möglichst intensiv zu nutzen bzw. zu genießen.

Februar 2007
Volentem ducunt fata, nolentem trahunt.

„Den freiwillig Folgenden führt das Schicksal, den, der Widerstand leistet, schleppt es (gewaltsam) hinter sich her.“

Seneca (ep. 107,11) präsentiert hier die „typisch stoische“ Lebensweisheit, dass man gegen das Schicksal machtlos sei; also sei es für das Glück des Menschen besser, es anzunehmen statt dagegen anzukämpfen.

Januar 2007
An denBeginn des neuen Jahres, zum Januar, in dem die Tage schon wieder etwas länger werden, sei dieses Distichon (dieser Doppelvers) Ovids gesetzt:

Prospera lux oritur. Linguis animisque favete!
Nunc dicenda bona sunt bona verba die.

Glückbringend erhebt sch das Licht. Begrüßt es mit Zungen und Herzen!
Nun, an diesem guten Tag, sollen gute Worte gesprochen werden.

(Ovid Fasti I 72f)

November 2006
Concordia parvae res crescunt, discordia maxumae dilabuntur.

Durch Einigkeit wachsen die kleinen Dinge, durch Zwietracht zerfallen sogar die größten.

Sallust (Bellum Iugurthinum 10,6) meint zwar mit den „Dingen“ wohl „Staaten“, aber die Sentenz lässt sich durchaus auch auf andere „Dinge“ übertragen (Klassengemeinschaften, .Koalitionen.....).

Oktober 2006
Homines amplius oculis quam auribus credunt.

Die Menschen glauben eher den Augen als den Ohren.

Seneca (ep. 6,5) will mit dieser Formulierung sagen, dass viele (gehörte) Worte weniger Einfluss auf die Menschen haben als das (gesehene) Beispiel, das jemand durch seine Person, sein Auftreten und sein Handeln vermittelt.

September 2006
Gutta cavat lapidem non vi, sed saepe cadendo.

Der Tropfen höhlt den Stein nicht durch Gewalt, sondern durch häufiges Fallen.
(Deutsches Sprichwort gleichen Inhalts: Steter Tropfen höhlt den Stein.)

Der Gedanke eines griechischen Philosophen wurde in der o.a. Form in die lateinische Sprache übertragen. Der Spruch ist geeignet, eine Erkenntnis der aktuellen Lernpsychologie zu verdeutlichen, die allen Schülern bekannt und vertraut sein sollte. Sie beruht auf Erkenntnissen über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns, besonders über die Fertigkeiten des Gedächtnisses. Für alles Lernen, besonders vor Klassenarbeiten, gilt nämlich: „Lieber 9 Mal 10 Minuten lernen (saepe!) als ein Mal 90 Minuten (vi!).“

August 2006
Bella matribus detestata (sunt). (Horaz carm. 1,1,24f)

Kriege (sind / werden) von den Müttern verflucht.

In der Zeit des erschütternden Krieges (Israel – Libanon) erweist diese unvergleichlich prägnante Feststsellung des römischen Dichters ihre traurige Aktualität: Gleichgültig, was Anlass oder Ziel eines Krieges ist, das Leid der Menschen ist immer gleichermaßen schrecklich.

Juli 2006
Utendum est aetate, cito pede labitur aetas.

Man muss die Zeit nutzen, schnellen Fußes gleitet sie dahin. (Ov. Ars 3,65)

Dies kann nicht nur, aber insbesondere für die nun beginnende Ferienzeit gelten.

Juni 2006
Dum differtur vita, transcurrit.

Während man das Leben aufschiebt, eilt es vorüber. (Seneca ep. 1)

Seneca will vermitteln, dass man nicht (nur) Pläne für die Zukunft schmieden soll, da niemandem die Länge seines Lebens bekannt ist. Vielmehr soll man „jeden Tag so leben, als könne es der letzte sein“.

Mai 2006
Repetitio mater studiorum.

Die Wiederholung ist die Mutter aller Bemühungen (allen Studierens).

Die Herkunft dieser Lebensweisheit ist unbekannt. Das mindert aber nicht ihre Klugheit. In einer Zeit, in der das kurzfristige Lernen Mode ist (was mit echtem Lernen wenig gemein hat), sei dieses „Gesetz“ allen Schülern, die Erfolg haben möchten, für alle Schulfächer ans Herz gelegt.  Das besonders Schöne und Schülerfreundliche an dieser Erkenntnis ist: Sie scheint auf den ersten Blick „viel Arbeit“ zu bedeuten, bedeutet aber langfristig gesehen eine enorme Erleichterung.

April 2006
Nec laudibus, nec timore.

Weder durch Lob, noch durch Furcht.

Kardinal von Galen, „der Löwe von Münster“ (1878-1946) hätte sich keinen passenderen Wahlspruch aussuchen können, als er 1933 Bischof von Münster wurde. Furchtlos wie kaum ein anderer Vertreter der christlichen Kirchen prangerte er öffentlich die Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Regimes an. Von der Kanzel, in Hirtenbriefen und durch Strafanzeigen wandte er sich gegen Judenverfolgung und „Euthanasie“.

März 2006
Ingens telum necessitas.

Eine ungeheure Waffe ist die Notwendigkeit.

Diese drastische Variante der Redensart „Not macht erfinderisch“ steht bei Livius (auc 4,28,5). Dass es gerade die Verfahrenheit einer Lage ist, die dem Menschen eine „Waffe“ zu ihrer Überwindung in die Hände spiele, ist gewiss sehr optimistisch – und zeigt ein ungebrochenes Vertrauen auf die erfinderische Klugheit des Menschen.

Februar 2006
Factum abiit, monumenta manent.

Die Tat ist vergangen, die Denkmäler bleiben.

Mit diesen Worten formuliert der Dichter Ovid (in: Fasti 4,709) seine Hochachtung vor wichtigen, über den Augenblick hinaus wirksamen Taten.
In diesem Sinnesei unser Februarzitat insbesondere dem Kollegen Müller-Abbass zugeeignet, der diese lehrreiche und amüsante Zitatensammlung drei Jahre lang betreut hat und die Aufgabe nun in andere Hände gibt.

Januar 2006
Vere calor redit ossibus.

Im Frühling kehrt die Wärme in die Knochen zurück.

Dieses Wort aus den Georgica (3,272) des Altmeisters Vergil möge dem Wunsche nach Sonne, nach längeren Tagen und nach Frühlingserwachen Ausdruck verleihen.

Dezember 2005
Quid est suavius quam bene gerere / bono publico!

Was ist angenehmer, als etwas gut und zum allgemeinen Wohl auszuführen?

Dieses Wort entstammt den Captivi (498f.) des Plautus.

November 2005
Dantur opes nullis nunc nisi divitibus.

Reichtum wird heutzutage nur den Reichen gegeben.

Dieses Wort stammt aus den Epigrammata des Martial und lebt von der Spannung aufbauenden Alliteration nullis nunc nisi, die dann gattungstypisch mit dem letzten Wort divitibus aufgelöst wird.

Oktober 2005
Hominis est errare, insipientis est perseverare.

Es ist das Wesen des Menschen sich zu irren, das des Toren ist es, dabei zu bleiben.

Dieses Cicero-Wort aus den Philippicae orationes (12,2) möge der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass die deutschen Spitzen-Politiker ihrer Verantwortung für Staat und Bürger gerecht werden, eigene Irrwege erkennen und in diesem Bewusstsein schließlich eine stabile Regierung bilden.

September 2005
Prospera omnes sibi vindicant, adversa ui imputantur.

Erfolge beanspruchen alle für sich (selbst), Misserfolge werden (hingegen) einem einzigen angelastet.

Dieser Satz stammt aus Tacitus‘ Agricola 27,1, dem Erstlingswerk des bedeutendsten römischen Historikers. Er wirkt durch die antithetische Wortwahl und den Wechsel des Genus verbi vom ersten zum zweiten Prädikat (prospera – adversa, omnes sibi vindicant – uni imputantur).

August 2005
Libenter homines id, quod volunt, credunt.

Gern glauben die Menschen das, was sie wollen.

Dieses Wort stammt aus Caesars De bello Gallico 3,18,6.

Juli 2005
Fortuna, ut saepe alias, virtutem secuta est.

Das Glück folgte, wie auch sonst oft, der Tapferkeit/ dem Einsatz.

Dieses Wort entstammt dem Geschichtswerk Ab urbe condita (Seit Gründung der Stadt) 4,37,7 des Livius. Es erinnert an die in Sportlerkreisen geläufige Formel, dass man das nötige Glück erzwingen kann.

Juni 2005
Nihil aliud est ebrietas quam voluntaria insania.

Trunkenheit ist nichts anderes als freiwilliger Wahnsinn.

Mit dieser Weisheit Senecas aus den Epistulae morales (83,18) grüßen wir alle Abiturientinnen und Abiturienten und hoffen auf angemessenen Alkoholgenuss (der Stoiker weiß, wann er aufhören muss!).

Mai 2005
Interim velim a sole non obstes!

Im Moment würde ich mir wünschen, dass du mir nicht in der Sonne stehst!

Dieses Zitat überliefert Valerius Maximus in den Facta et dicta memorabilia 4,3, ext. 4. Es stammt von dem Kyniker Diogenes, der von Alexander dem Großen gefragt worden war, ob er etwas für ihn tun könne, worauf jener zunächst erwiderte: Mox ... de ceteris (Bald/Später über andere Dinge) ... . [Eine ähnliche Überlieferung findet sich bei Cicero in den Tusculanen.]

Wir nehmen dieses Zitat als Ausdruck der Sehnsucht nach Sonnenstrahlen im Wonne Mai!

April 2005
Video meliora proboque, / deteriora sequor.

Ich sehe und billige das Bessere, befolge aber das Schlechtere.

Diese Worte legt der Dichter Ovid in seinen Metamorphosen (7,20) Medea in den Mund, die im Wahn (entflammt für den Argonauten Iason) spricht. Die Paradoxie ihrer Aussage ist symptomatisch für die innere Verfassung dieser weiblichen Sagengestalt

März 2005
Ut desint vires, tamen est laudanda voluntas.

Wenn auch die Kräfte fehlen, muss dennoch der (gute) Wille gelobt werden.

Dieser Hexameter aus Ovids Episulae ex Ponto 3,4,79 (Briefe vom Schwarzen Meer) sucht den Vorwurf an den Dichter, seine Exildichtungen seien von minderer Qualität, zu relativieren, indem er auf seine guten Vorsätze verweist, zugleich aber nachlassende Kraft nach Jahren der Verbannung konzediert. Diese Argumentation darf getrost als geschicktes strategisches Understatement eines bis zu seinem Tod virtuosen Könners lateinischer Dichtkunst verstanden werden.

Februar 2005
Accipere quam facere praestat iniuriam.

Es ist besser Unrecht zu erleiden als zu tun.

Dieses Wort Ciceros stammt aus den Tusculanen (V 56).

Januar 2005
Nunc hic dies aliam vitam adfert, alios mores postulat.

Dieser heutige Tag bringt ein anderes Leben mit sich, er fordert andere Sitten.

Dieses Wort des römischen Komödiendichters Terenz (Andria 189) passt einerseits zu üblichen Vorsätzen für das neue Jahr, andererseits könnte es als Wunsch nach einem globalem Umdenken anlässlich der aktuellen Flutkatastrophe in Südasien (Globalisierung bedeutet eben nicht nur weltweites Wirtschaften) verstanden werden.

Dezember 2004
Alter ego.

Das zweite Ich.

Laut Zenon dem Jüngeren aus Zypern (336-264 v. Chr.), dem Gründer der Stoa, handelt es sich hierbei um eine Definition für „Freund“. In Ciceros Schrift „(Laelius:) De amicitia“ (21,80) heißt es ähnlich: „Verus amicus est tamquam alter idem.“ – „Ein wahrer Freund ist gleichsam ein zweites Selbst.“

November 2004
Initium est salutis notitia peccati.

Der Anfang des Heils / der Rettung ist die Kenntnis der (eigenen) Verfehlung / Unvollkommenheit.

Mit diesem Wort zitiert Seneca (Epistulae morales ad Lucilium 28, 9), selbst Anhänger der stoischen Philosophie, Epikur, den Gründer einer eigenen Philosophenschule, den er gerne in seinen Briefen wiedergibt, obwohl er dessen Lehre im Wesentlichen ablehnt.

Oktober 2004
Non ut diu vivamus, curandum est, sed ut satis.

Sorgen muss man sich darum, nicht lange, sondern genug zu leben.

So pointiert formuliert Seneca in der Epistula moralis ad Lucilium 93, 2 seine Sicht über Lebensführung, nach der nicht die Länge den Wert des Lebens bestimmt, sondern die Qualität.

August/September 2004
Haud aequum facit, qui, quod didicit, id dediscit.
Nicht richtig handelt, wer, was er gelernt hat, wieder verlernt.
Dieses Zitat stammt aus dem Amphitruo (688), einer Kömodie des Plautus.

Juli 2004
Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes.
Was auch immer es sei, ich fürchte die Griechen, auch wenn sie Geschenke bringen.
Dieses Zitat – ein Hexameter-Vers – entstammt Vergils Aeneis (2, 49). Mit seinen Worten warnt der Priester Laokoon die Trojaner vor dem hölzernen Pferd der Griechen. Vor dem Hintergrund des Ausgangs der Fußball-EM sei es erlaubt diesen Vers auch prophetisch auf die Gegenwart zu beziehen und entsprechend zu deuten: Griechen darf man nie unterschätzen, sie könnten „etwas im Schilde führen“.

Juni 2004
Mens agitat molem.
Der Geist bewegt die Materie.
Dieser Satz stammt aus Vergils Aeneis (6,727). Der tote Anchises, der von seinem Sohn Aeneas in der Unterwelt besucht wird, steht Rede und Antwort auf die Frage nach dem Ursprung und dem Schicksal der Seelen.

Mai 2004
Nulla poena sine lege.
Keine Strafe ohne Gesetz.
Dieser Rechtsgrundsatz stammt aus dem „Lehrbuch des gemeinen, in Deutschland geltenden peinlichen Rechts“ (1801) des Strafrechtslehrers Anselm von Feuerbach. Während der nationalsozialistischen Diktatur wurde dieser Grundsatz so verändert (Nullum crimen sine poena. - Kein Verbrechen ohne Strafe.), dass durch das Fehlen des Gesetzesbegriffes der willkürlichen (staatlichen) Rechtsprechung Tür und Tor geöffnet wurde.

April 2004
Satius est otiosum esse quam nihil agere.
Es ist besser müßig zu sein als nichts zu tun.
In diesem Satz, der nach Angaben des jüngeren Plinius (ep. 1, 9, 8) auf seinen Jugendfreund Atilius zurückgeht, wird mit der Bedeutungsähnlichkeit von otium esse und nihil agere gespielt (Oxymoron). Denn nur wer otium als Freizeit zur geistigen Erbauung, zur persönlichen Bildung (vor allem Lesen, Schreiben, Studieren, Nachdenken) als Kontrapunkt zum negotium (alltägliche Arbeit, Verpflichtung u. Ä.) begreift, versteht die Abgrenzung gegenüber nihil agere („Faulenzen“).

März 2004
Audiatur et altera pars!
Es möge auch die Gegenpartei (eigentl.: die andere Seite) angehört werden!
Diese Rechtsregel findet sich in ähnlicher Form schon bei dem Tragödienschreiber Euripides (Herakliden 179f.) und dem Redner Demosthenes (Rede gegen Timokratus 149-151). Bei dem römischen Schriftsteller Seneca (Medea 199f.) heißt es: „Qui statuit aliquid parte inaudita altera, aequum licet statuerit, haud aequus fuit.“ (Wer etwas festgelegt hat, ohne vorher die andere Partei gehört zu haben, hat nicht gerecht gehandelt, mag er auch eine gerechte Entscheidung gefällt haben.)

Februar 2004
Non multa, sed multum!
Nicht vielerlei, sondern viel!
Diese Formulierung geht auf den jüngeren Plinius (Ep. 7,9,15: Aiunt multum legendum esse, non multa) zurück und bedeutet, dass es besser ist weniger, aber gründlich zu lesen anstatt vieles allzu oberflächlich.

Januar 2004
Spectatum veniunt, veniunt, spectentur ut ipsae.
Um zu schauen kommen sie, sie kommen (aber auch), um selbst gesehen zu werden.
Dieser im Lateinischen sehr pointiert formulierte Vers [Chiasmus (Bauprinzip: Ab-ba mit starker Betonung des letzten Gliedes, erkennbar am gegenüber spectatum gesteigerten Wortumfang bei spectentur ut ipsae) sowie Anadiplosis veniunt] stammt aus Ovids Ars amatoria (1, 99) und beschreibt das Verhalten von Mädchen bzw. jungen Frauen bei Menschenansammlungen, etwa im Theater (vgl. im Deutschen: „sehen und gesehen werden“). Es gibt die Überlieferung, Sokrates habe mit diesen Worten seine Frau Xanthippe zurechtgewiesen, die einer Prozession nicht in ihrem alten Mantel zusehen wollte.

Dezember 2003
Bis dat, qui cito dat.
Doppelt gibt, wer schnell gibt.
Nach der Überlieferung bei Publilius Syrus (Sententiae 1, 6) wird dieses Wort auch folgendermaßen zitiert: Inopi beneficium bis dat, qui dat celeriter. (Doppelt spendet dem Armen, wer schnell gibt.)

November 2003
Homines dum docent, discunt.
Während die Menschen lehren, lernen sie.
Wiederum ein geflügeltes Wort Senecas (Epistulae morales 7,8), stilistisch markant durch eine starke Alliteration sowie ein Paradoxon (scheinbarer Widerspruch), das oft verkürzt zitiert wird: Docendo discimus (Indem wir lehren, lernen wir.)

Ansprechpartnerin

Anne Nee
annachristine.nee@gymnasium-papenburg.de

Foto: Diliff, Kolosseum in Rom, Ausschnitt, CC BY-SA 2.5