Über ein Jahr lang haben die Nachwuchsjournalisten recherchiert, Interviews geführt und Material gesammelt. Entstanden ist ein zehnminütiges JUZ-TV-Spezial über die Bedeutung von Klassensprecher-Wahlen als erste demokratische Erfahrung im Leben junger Menschen.
Dutzende Gespräche an verschiedenen Schulen
Die jungen Reporter sprachen mit Schülerinnen und Schülern, Klassensprechern, Schulsprechern, Lehrkräften und Schulleitungen. Dabei wurde deutlich: Die Wahl zum Klassensprecher ist weit mehr als eine Pflichtaufgabe in der Klassengemeinschaft. Sie vermittelt grundlegende demokratische Kompetenzen – vom Wahlakt selbst über das Formulieren von Zielen bis hin zur Vertretung von Interessen der Schülerschaft.
„Mir macht besonders Spaß, dass ich vor allem den Schülern, meinen Mitschülern helfen kann und dass ich als Bezugsperson auch darstellen kann, dass ich für alle Leute aus meiner Klasse und für die ganze Schule einfach da sein kann“, berichtet Klassensprecherin Dicle vom Staatlichen Gymnasium.
Lehrerin Anne Stadler vom Gymnasium Papenburg, betont die Bedeutung des Amtes: „Es ist extrem wichtig, dass jede Klasse einen Klassensprecher oder eine Klassensprecherin hat, denn ansonsten werden ja die Rechte der einzelnen Klasse gar nicht weitergegeben und nicht ernst genommen.“
Gestaltungsmöglichkeiten konkret aufgezeigt
Die Sendung macht anschaulich, welche Aufgaben Klassensprecher tatsächlich haben: Sie vermitteln zwischen Schülern und Lehrern, vertreten ihre Klasse bei Konferenzen, leiten den Klassenrat und bringen Ideen in die Schülervertretung ein. Darüber hinaus organisieren sie Veranstaltungen wie Talentshows, Karnevalsaktionen oder karitative Projekte – etwa Spendenläufe für die Ukraine oder die Erdbebenopfer in der Türkei.
„Einfach zu sehen, dass die Arbeit, die man da reinsteckt, dass es sich lohnt, wenn dann die ganze Aktion klappt – das ist total schön zu sehen“, beschreibt SV-Mitglied Angelina Kisser ihre Motivation an der Gestaltung der Schulgemeinschaft.
Experte: Klassensprecher-Wahl ist wichtiger erster Schritt
Für die Sonderausgabe führte die Redaktion ein Videointerview mit Dr. Thomas Köcher, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung in Bremen. Der gebürtige Papenburger ordnet die Bedeutung der schulischen Wahlen ein:
„Das ist eine sehr, sehr gute Erfahrung, weil das gehört zur Demokratie dazu: … Ziele zu haben und diese Ziele dann auch zu sagen. Das ist total wichtig. Das gehört zu einer Demokratie dazu.“
Köcher weist zugleich darauf hin, dass schulische Wahlen nur ein Anfang sein können – Aspekte wie Opposition, Kompromissfindung oder Parteienvielfalt würden erst später erfahrbar. Umso wichtiger sei es, Demokratiebildung im Politikunterricht wieder stärker in den Fokus zu nehmen.
Medienpädagoge begleitet engagierte Jugendredaktion
Die Idee zur Sonderausgabe entstand in der Jugendredaktion selbst. Medienpädagoge Ragnar Wilke, der JUZ-TV anleitet, begleitete das Projekt von der Konzeption bis zur fertigen Sendung.
„Ich bin begeistert, wie engagiert sich die Jugendredaktion beim Thema Demokratie im Klassenzimmer eingebracht hat“, sagt Wilke. „Über Monate haben die jungen Reporter neue Sichtweisen an verschiedenen Schulen gesammelt und viele gute Erfahrungen vor und hinter der Kamera gemacht. Das Ergebnis zeigt: Junge Menschen interessieren sich sehr wohl für demokratische Prozesse – man muss ihnen nur die Möglichkeit geben, sich damit auseinanderzusetzen.“
Hintergrund: Laut Paragraph 73 des niedersächsischen Schulgesetzes ist die Wahl von Klassensprechern gesetzlich vorgeschrieben. Umfragen zeigen, dass 98 Prozent der Bundesbürger hinter der Idee der Demokratie stehen – mit ihrer Funktionsweise sind jedoch 40 Prozent unzufrieden. Moderatorin Imke appelliert an alle Schülerinnen und Schüler mit: „Engagiert euch, bringt euch ein und verbessert euer Schulumfeld zum Wohle aller.“





