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Schülerinnen und Schüler produzieren neue „Bella Ciao“-Versionen

Von Katja Matthäi & Stephan Zeltwanger | | Musik

Als Sommerhit war das Lied „Bella Ciao“ 2018 in den Charts zu finden. Durch die spanische Fernsehserie „Haus des Geldes“ hatte es schlagartig an Popularität gewonnen. Noch heute wird das Lied im Radio oder auf Partys gespielt. Was jedoch bei dieser Art der Rezeption in Vergessenheit geraten könnte ist seine Geschichte. Sie reicht bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zurück und der Text von „Bella Ciao“ regt zu kontroversen Diskussionen an.

Als Protestlied wurde „Bella Ciao“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Feldarbeitern auf dem Land im nördlichen Italien gesungen. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zu einem Kampf- und Protestlied der italienischen Partisanen als Zeichen des Aufstands gegen den Faschismus. In der DDR war es eines der meist gesungenen Arbeiterlieder und es ist bis heute in linken Kreisen beliebt.

Der weit verbreitete Text handelt von einem Kämpfer, der sein Leben für die Freiheit hergibt. Seine Frau lässt er zurück.

Die Klasse 6e von Stephan Zeltwanger hat sich in diesem Schuljahr inhaltlich und musikalisch mit dem Lied beschäftigt und dabei die folgenden Fragen diskutiert: Soll sich ein Mensch für andere Menschen bzw. für die Freiheit aufopfern und dabei seine eigene Familie zurücklassen? Welche Beweggründe hat dieser Mensch? Darf ein Lied, welches das Aufopfern verherrlicht auch im Unterricht gesungen werden? Die Schülerinnen und Schüler vertraten hierzu unterschiedlichste Auffassungen, wobei die Vertonung breite Zustimmung fand. Beim Singen wurde von Herzen der erfrischende Bewegungsimpuls aufgenommen.

In einer kreativen (und freiwilligen) Online-Aufgabe zur Zeit der Schulschließung sangen einzelne Schülerinnen und Schüler das Lied zur vorgegeben Begleitung, die Stephan Zeltwanger zuvor aufnahm, ein. Danach wurden die Stimmen digital in einem Musik-Sequenzer-Programm zu einem virtuellen Chor zusammengesetzt. Das musikalische Ergebnis kann hier gehört werden.

Die Streicher-AG von Katja Matthäi wollte bereits im letzten Sommer das Lied musizieren und dieses Jahr auf dem Foyer-Konzert präsentieren. Nun wurde es in der Corona-Zeit aufgenommen – jeder natürlich für sich allein. Die einzelnen Aufnahmen wurden letztlich zusammengefügt und bearbeitet. Hier entstand eine Aufnahme, die in ihrem Ausdruck das ursprünglich Kämpferische dieses Liedes erahnen lässt.

Eines konnte mit Hilfe dieser beiden Projekte erfahren werden: Musik verbindet und bildet Treffpunkte. Treffpunkte, bei denen Leichtigkeit, Beweglichkeit, aber auch Trotz, Mut und Entschiedenheit der Musik eines alten Protestliedes mit bewegter Geschichte abzuspüren sind. So ließ sich der Lockdown besser ertragen.

Foto: Tanner (Capt), War Office official photographer, An Italian partisan in Florence, 14 August 1944. TR2282, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

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Ein italienischer Partisan
Ein italienischer Partisan am 14. August 1944 in Florenz. Foto: Tanner (als gemeinfrei gekennzeichnet)